Geschichte des Torfmoors

Schüler des Widukind-Gymnasium Enger untersuchten die frühe Entstehungsgeschichte des Torfmoors. Mit Bohrungen, Sediment- und Pollenanalysen gingen sie der Sache auf den Grund. Hier ihre interessanten Ergebnisse:

Unter dem Hücker Moor liegt eine kesselförmige Vertiefung, die von Geologen als Erdfall bezeichnet wird. Dieser ist entstanden durch die Auslaugung von darunter liegendem Zechsteinsalz. In die Senke hat dann die Eiszeit Sande und Kies abgelagert. Aus Bohrungen weiß man, dass diese Schicht ca. 50 m mächtig ist.

Nach der Eiszeit entstand hier ein See, der allmählich verlandet ist: Der so entstandene Torf hat eine Mächtigkeit von fünf bis sechs Metern! Wir konnten bis auf den alten Kiesgrund bei 5,50 m bohren.

 

In den ersten zwei Metern sind wenig zersetzte Holzreste sichtbar: Hier stand also einmal ein Erlen-Bruchwald!

Der Bohrkern kann dann vermessen werden und die einzelnen Schichten werden nach Aufbereitung im Labor untersucht: An den Großresten ist schon erkennbar, ob hier Wald oder Röhricht stand.

 

Genauere Einsichten liefert die mikroskopische Pollenanalyse. Sie zeigt, welche Pflanzenarten in welcher Schicht wie häufig vorkamen. In solchen Sedimenten können Fachleute lesen wie in einem Buch der Erdgeschichte. Denn der Pollen jeder Pflanzenart (hier: Kiefernpollen) hat eine ganz charakteristische Form. Außerdem sind Pollen hart im Nehmen: Sie überstehen sogar ein Bad in der aggressivsten aller Säuren, der Fluss-Säure - die löst sogar die Sandteilchen auf. Deswegen sind sie auch so gut erhalten, obwohl sie vielleicht schon 10.000 Jahre alt sind!

 

 

Diese Säurebehandlung löst leider aber auch die Finger der Schüler. Deshalb haben wir die Untersuchung lieber gelassen und uns bei einem Fachmann schlau gemacht, der die 5.25 m Ablagerung genau untersucht hat. (FREUND1994).

Was kann man aus solchen Untersuchungen ablesen?

  • Sie lassen Rückschlüsse auf die nacheiszeitliche Klimageschichte zu: Wann es wärmer und wann kälter wurde.
  • An den "Siedlungszeigern" wie Getreidepollen ("Cerealien") oder z.B. Wegerich kann die Besiedlung und der Beginn des Ackerbaus ermittelt werden. So lässt sich der Beginn des Ackerbaus auf die allerersten Anfänge vor ca. 4.500 Jahren (!!!) datieren.
  • Der Lein/Flachs als Kulturpflanze taucht bereits in der jüngeren Steinzeit auf. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Flachsanbau im Ravensberger Land von wirtschaftlicher Bedeutung, erst dann wurde er durch Baumwolle ersetzt (die letzte "Flachsröste" wurde erst 1958 in Künsebeck bei Halle geschlossen).
  • Man erkennt, dass der Erlenbruch, wie er heute noch im Osten steht, immer eine dominierende Rolle bei der Verlandung gespielt hat: Hopsen Sie doch mal auf dem Boden in Ufernähe, dann spüren Sie heute noch, wie der Torfboden nachschwingt!

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Untersuchungsergebnissen. Weitere Informationen und Kontakte finden Sie hier:

LIENENBECKER/MÖLLER, Das Hücker Moor bei Spenge. Zur Naturgeschichte eines ehemaligen Torfstichsgebietes. Ber. Naturwiss. Verein f. Bielefeld und Umgegend 42 (2002), S. 249 - 313
FREUND, H. (1994): Pollenanalytische Untersuchungen zur Vegetations- und Siedlungsentwicklung im westlichen Weserbergland.- Abh. Westf. Mus. Naturkunde Münster 56, Heft 3